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Artikel 1949-1958

Heiligenhafen, Stadt der Eisenbahner - HP 11.5.1954

Heiligenhafen, Stadt der Eisenbahner - HP 11.5.1954

ir. Wenn man jetzt durch Heiligenhafen geht und die Neubauten des letzten Jahres betrachtet, so fallen die neuen Häuser der Bundesbahn durch ihre schmucke Bauweise auf. 72 neue Wohnungen konnten bislang von Bediensteten der Bundesbahn bezogen werden. Das sind mehr, als irgend eine Berufsparte sonst in der gleichen Zeit in unserer Stadt für sich einnahm. Nicht einmal die Fischer konnten damit zahlenmäßig konkurrieren. Und noch weitere Bauten der Bundesbahn sind angekündigt. Von den 40 geplanten sollen 26 sofort gebaut werden. Das ist dringend nötig, denn das Haus "Mautgreve" und die Villa "Seeblick", die für den allgemeinen Fremdenverkehr bestimmt sind, mußten schon für Eisenbahner und Angehörige der Paßkontrolle belegt werden, die zum Dienst in Großenbrode berufen wurden und baldmöglichst eine Wohnung in Heiligenhafen erhalten sollen. Durch den Fährverkehr nach Dänemark, durch den internationalen Durchgangsverkehr über Großenbrode, wird Heiligenhafen zur Eisenbahnerstadt.

Am 17. Januar 1898, als der erste Zug der damaligen Kreiseisenbahn vom Heiligenhafener Bahnhof abfuhr, ahnte noch niemand diese Entwicklung. Mit wenigen Bediensteten konnte der damalige Verkehr abgewickelt werden. Allmählich nahm die Zahl der täglich ein- und auslaufenden Züge zu. Das Eisenbahn-Betriebswerk Heiligenhafen entstand und wuchs. Ueber 100 Bedienstete umfaßt es jetzt mit den Angehörigen der Fehmarn-Sundfähre. Zu diesen 100 Familien kommen rund 50 der zum hiesigen Bahnhof gehörigen ANgestellten, Arbeiter und Beamten dazu. Ferner leben 80 Rentner und Pensionäre am hiesigen Ort. Insgesamt beherbergt Heiligenhafen rund 230 Eisenbahner-Familien.

Nun kamen aber mit der Eröffnung des Skandinavienverkehrs noch viele neue hinzu. Es begann eine ganz neue Entwicklung. 85 Bedienstete zählt das Fährschiff "Deutschland". Der überwiegende Teil ihrer Familien wohnt in Heiligenhafen. Weitere 80 - 90 Bedienstete aber werden jetzt mit Beginn des Sommerfahrplans (23. Mai) zusätzlich eingesetzt werden. Auch diese Menschen werden in Heiligenhafen eine neue Heimat finden. Sogar ein Teil der 29 Eisenbahner des Bahnhofs Großenbrode wohnt in Heiligenhafen.

Im Gefolge der Eisenbahner befinden sich auch noch eine stattliche Anzahl anderer Menschen, die auf demselben Wege in Heiligenhafen ansässig wurden oder noch werden wollen. Das sind vor allem die Angehörigen der Wirtschaftsbetriebe des Fährschiffs. Von ihren rund 70 Angestellten wohnen schon viele mit ihren Familien hier. Der Gastronom der "Deutschland" ist bestrebt, durch eine eigens dazu gegründete Baugesellschaft den Wohnungsbau weiter zu beschleunigen. Die ersten Häuser wurden bereits gebaut, und der Chef selbst hat auch ein schönes Plätzchen auf der Ecke Eichholzweg - Wildkoppelweg für sein eigenes Heim gefunden. Außerdem haben sich eine Reihe von Angehörigen des Zollamtes und der Paßkontrollstelle von Großenbrode-Kai in Heiligenhafen niedergelassen. Alles in allem gerechnet kann man sagen, daß zu den 230 Heiligenhafener Eisenbahnerfamilien in absehbarer Zeit noch einmal so viele Hausstände durch den Großenbroder Fährverkehr nach Heiligenhafen kamen. Man wird also in Zukunft nicht nur von Heiligenhafen als Badeort und Stadt der Fischer sondern auch als Stadt der Eisenbahner sprechen dürfen.

Die neu Hinzugezogenen kamen aus dem ganzen Bundesgebiet, rund ein Drittel jedoch aus dem Raum Hamburg. Das Einleben am fremden Ort war gar nicht so einfach. Die Wohnungen wurden gleich gelobt, darin hatten viele Familien gern getauscht. Die Männer, die auf dem Fährschiff beschäftigt sind, zeigten sich auch von dem neuen sauberen Dienst befriedigt. Aber es gab auch Nachteile. Die neuen Wohnungen liegen recht weit vom Bahnhof. Darum sollen auch die weiteren an der Postlandstraße und nicht mehr im Westen der Stadt gebaut werden. Auch will die Bahn versuchen, einen besseren Zubringerdienst nach Großenbrode hin und her einzurichten. Für die Hamburger machte sich der hiesige niedrige Ortsklassentarif recht unangenehm bemerkbar. Während sie in Hamburg einen Sondertarif bekamen, gab es hier nur den Tarif C, das bedeutet einen mönatlichen Verlust von durchschnittlich 70 bis 80 DM pro Familie. Dabei stellten die Hausfrauen bald fest, daß so manches wie z.B. Obst, Gemüse, sogar Fisch und Textilien in der Großstadt billiger auf den Tisch kam. Die Lebenshaltungskosten waren gestiegen, der Verdienst gefallen. Es ist daher nur zu erklärlich, daß es gerade die Eisenbahner waren, die den von der Stadt vor einiger Zeit weitergeleiteten Antrag auf Tarifklassenerhöhung wünschten. Für die Frauen war wohl überhaupt die Umstellung schwieriger als für ihre Männer. Wer an die Großstadt gewöhnt ist, findet zunächst einmal, daß hier "nichts los" ist. Sehr rühmend wurde bei dieser Frage das neue Kino bewertet, das auch von den Großstädtern gelobt wurde. Nun hofft ja alles auf den Sommer und daß dann bei dem einsetzenden Badebetrieb auch die einstigen Großstadtbewohnerinnen sich in Heiligenhafen einleben werden. Sicher werden das ja die Kinder tun, die nun mit der Freiheit und den Spiel- und Tummelgelegenheiten unseres Ortes einen guten und schönen Tausch gemacht haben. Sehr erfreut zeigten sich die Eltern, daß schulisch ihren Mädchen und Jungen keine Nachteile entstanden, da alle Schulgattungen vorhanden sind.

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